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Zeit- äh Selbstmanagement die Zweite

April 15th, 2009 by Dorothea

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, es ist Frühling und an Ostern waren sowieso erstmal Ferien angesagt, oder?

Hoffentlich, denn zum richtigen Selbstmanagement (dass der Begriff Zeitmanagement unsinnig ist, wurde ja schon festgestellt) gehört es auch, sich genügend Freiräume zu schaffen. Gerade im Kunst- und Kulturbereich ist es eines der häufigsten Probleme, dass die Arbeit nicht aufhört – und sei es nur, weil man sich ständig selbst gängelt, optimiert und fortbildet. Christian Henner-Fehr hat dazu auf dem Kulturmanagementblog gepostet und einen scheins sehr interessanten Beitrag von Saskia Reither ausgewertet, den sie für Kulturmanagement der Zukunft: Perspektiven aus Theorie und Praxis (Hg. Verena Lewinski-Reuter und Stefan Lüddemann) verfasst hat. 

Foucault wars

Sie stellt sich die Frage, woher es kommt, dass sich alle Welt eigentlich ständig verbessern und an sich arbeiten will. Das ist eine etwas saloppe Umformulierung (von Selbstoptimierung und Effizienzstreben), im Prinzip weist sie nach, dass Foucaults Begriff der Gouvernementalität hier zum Tragen kommt. Die verinnerlichte Sorge um sich führt dazu, dass jeder konstant an sich arbeitet und sich selbst als Kapital begreift. Es ist ein schmaler Grat zwischen selbst- und fremdbestimmt, zwischen der Verwirklichung des eigenen Traums und dem Zwang, Geld zu verdienen und dann doch wieder den Regeln der anderen zu folgen.

Bei der Z.I.A. (Zentrale Intelligenz Agentur), die in diesem Zwiespalt die neue digitale Bohème verortet (oder daraus hervorgehen sieht), liest sich das so:

“Sie verzichten dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielwiese, sondern Einkommens- und Lebensader: die digitale Boheme. Ihre Ideen erreichen – anders als bei der früheren Boheme – vor allem über das Web ein grosses Publikum und finanzieren sich damit. Ein zeitgemässer Lebensstil, der sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.” (Wir nennen es Arbeit. Sascha Lobo und Holm Friebe. Digitale Bohème oder intelligentes Leben jenseits der Festanstellung. München: Heyne 2006.  Zitat)

Doch die Kontroverse um dieses Buch würde noch einige andere Posts füllen – insofern genug zusammengeworfen und verkürzt – selber lesen lohnt sich. Ansonsten zurück zum Thema, das ja eigentlich eben dieses Arbeiten an sich ist. In diesem Fall geht es darum, dass die Selbstdisziplinierung dazu führen soll, sich genügend freie Zeit zu lassen – und zwar Tag für Tag.

Die Pufferzeiten

Im gängigen Jargon der Branche nennt Lothar Seiwert das “Pufferzeiten”. Das bedeutet, dass man keinen Tag komplett verplanen sollte – das schafft kein Mensch und am Ende ist man nur frustriert, weil die Liste überhaupt nicht kürzer geworden ist. Dazwischen kommt schließlich immer was … (und an dieser Stelle kann ich noch ein anderes Buch empfehlen, und zwar “Dinge geregelt kriegen” (Lobo/Passig, ebenfalls aus dem Z.I.A. Umfeld).

Und wer sich selbst testen will – von wegen Tageseinteilung: Einen “Pufferzeiten” Test für den Einstieg gibts hier.

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