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Verlagsgründung für Anfänger

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Inspiration: Improv Everywhere

June 1st, 2009 by Dorothea

Auf der Webinale letzte Woche war auch der Fotograf (u.a.) Chad Nicholson eingeladen um Improv Everywhere vorzustellen. Improv Everywhere ist eine Truppe aus New York, die in gewissem Sinne unsichtbares Theater oder Straßentheater macht. Heißt soviel wie: sie machen öffentliche Aktionen, zum Teil Flash Mob ähnlich, bei denen für unbeteiligte Passanten/Zuschauer nicht klar ist: warum, wozu, weshalb und: ist das echt – oder einfach eine Marketing-Aktion?

Improv Everywhere in Aktion

Seit Januar 2002 veranstalten die “agents” inzwischen einen “no pants! subway ride“. Im ersten Jahr waren sie zu siebt, alles Jungs, die nur in Unterhosen sieben Stationen nonstop fuhren. Fragen beantworteten sie standardisiert mit ‘sie hätten ihre Hose einfach vergessen’ und untereinander ignorierten sie sich. Am 8. Stopp stieg dann eine weitere Person hinzu, die Hosen für 1 Dollar verkaufte. Sinn und Zweck der Aktion – neben einem gewissen Maß an Exhibitionismus vermutlich sehr viel Spaß, Gesprächsstoff und ansonsten: keine Ahnung. Inzwischen nehmen in New York allein 1200 Menschen an der Aktion teil und das Konzept wurde in 21 andere Städte weltweit exportiert. Organisation der Teilnehmenden läuft nur über die Website.

Improv Verlagswesen?

Warum ist das nun interessant für Verlage? Weil Lesungen langweilig sind. Das heißt, ich finde Lesungen in den meisten Fällen langweilig, weil ich gerne selbst lesen möchte – in den meisten Fällen hat die fehlende Attraktivität von Lesungen für mich also weder mit der Qualität der Texte zu tun, noch mit der Person des Vorlesers (naja) oder dem Ort der Lesung. Der Live-Charakter einer Lesung geht für mich nur in den wenigsten Fällen auf. Für genug andere Leute ist das glücklicherweise anders, sonst wären Hörbücher auch nicht so populär, trotzdem wird es wohl problematisch, sollte es irgendwann soweit sein wie bei der Musikindustrie: Content ist komplett online verfügbar, das Albenkonzept wird vom einzelnen Songdownload abgelöst (bei Artikeln in Fachzeitschriften schon geschehen) und Konzerte und Merchandise sichern den Umsatz. Auf Bücher übertragen: Ebooks revolutionieren den Buchmarkt, weil sie den Vertriebsweg vereinfachen und den Preis ändern. Auch das Leseverhalten ändert sich, Texte werden kürzer, Leser wollen mitschreiben (eine Möglichkeit), die Zahl der Neuveröffentlichungen (von Verlagen) sinkt, die Zahl von BoD-Büchern wächst.

Zukunft von Lesungen?

Schon jetzt sind Lesungen für Autoren und ihr Einkommen lebenswichtig, sollten die vorab von Verlagen gezahlten Honorare in Zukunft sinken, könnten sie noch wichtiger werden: als Werbeplattform für das vorgestellte Buch und natürlich als direkte Einnahmequelle. Lesungen mal anders zu gestalten, wäre doch eine spannende Aufgabe – und natürlich passiert das auch bereits. Da werden vielversprechende Orte wie die Charité Hörsaal Ruine (J.Frank Verlag) gewählt oder gleich ein ganzes Festival veranstaltet wie gerade im HAU das LAN (Festival für junge Literatur verknüpft mit junger Musik). Doch was passiert, wenn man noch stärker auf den Einbezug der Leser setzt, die lieber selber lesen, visuell geprägt sind und gerne für sich lesen (als aktive, subjektive Tätigkeit)? Wieso nicht mal eine Flashmob-Lesung organisieren? Oder die Surfpoeten in Hawaii-Hemden U2 fahren lassen? Oder twitteratur so angehen? Dazu muss man allerdings erst eine Community haben und natürlich auch die Bücher und Autoren, die sich dafür eignen. Aber vielleicht kann man ja damit anfangen, den Freundeskreis zusammenzutrommeln für öffentliche Leseevents – wer sagt, dass sonntags im Mauerpark nur Konzerte stattfinden müssen?

Die Zukunft von Improv Everywhere

Zumindest scheinen die Jungs und Mädels von Improv Everywhere trotz Web 2.0 und Live-Event ans Lesen und an Bücher zu glauben. Als eine der Möglichkeiten, wie sie von ihrem Treiben leben können, scheinen sie das Bücher schreiben und verkaufen entdeckt zu haben. Gerade haben sie jedenfalls ein Buch, Causing a Scene, veröffentlicht. Die besten Marketing-Events sind ihnen jedenfalls sicher – bei der letzten Aktion in New York, dem 6. Mp3 Experiment, gabs das Buch nämlich zu kaufen. Es haben mehr als 1400 Leute mitgemacht… Reinlesen kann man hier:

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