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Best of Klagenfurt #tddl09

June 30th, 2009 by Dorothea

Die Angst vor der Schriftstellerei

Im Stellenprofil für die diesjährigen neuen Jurymitglieder stand nach Meinung von Twitterer Fritz: “Aufgabe der Jury ist doch, der Jugend Angst zu machen vor der Schriftstellerei”. Er kommt zu folgendem Urteil: “Ist das gelungen? Mir scheint nicht.” Ich bin mir da ja nicht so sicher. Auch wenn sich die neue Jury erstmal einspielen musste, ein paar Bonmots lieferte sie durchaus.

Doch lassen wir sie selbst sprechen:

Karin Fleischanderl #tddl09

Karin Fleischanderl #tddl09

Karin Fleischanderl war insgesamt sehr unzufrieden mit den Vortragenden, die Sprache war ihr dabei besonders wichtig. “Das ist eine aufgebrezelte Sprache, die ich unerträglich finde”. Besonders schön: aufgebrezelt. Iljoma Mangold drückte sich am ersten Tag gerne selbst noch ein bisschen ‘aufgebrezelt’ aus -im philosophischen Sinne, doch einmal verschlug es sogar ihm die Sprache. “Ich hatte ja gehofft als Letzter dran zu kommen, damit mir meine Kollegen erklären können, um was es in diesem Text geht” (Mangold)

Iljoma Mangold Zuschauerperspektive

Iljoma Mangold Zuschauerperspektive

Meike Feßmann achtete dagegen immer sehr auf die Machart und hatte einmal ausnahmsweise “keine handwerklichen Einwände, aber ich bin auch überhaupt nicht glücklich damit”.

Thematisch, um ein paar Punkte herauszugreifen, fiel die Diskussion um das Thema ‘Musikalität eines Textes‘ auf, das ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrief:

Wo Karin Fleischanderl Musik in Form von “Narzisstische[r] Allmachtsphantasie und die gelungene Inszenierung der Sprache” hört, gibt Burkhard Spinnen ihr zwar  zuerst recht: “Die Frau Fleischanderl hat zweimal völlig recht gehabt. Wiederholungen in Akkorde umsetzen – als Musik verständlich” erklärt dann aber weiter, dass diese Akkorde nur leider als Text nicht funktionieren würden. Wie subjektiv Musik- und Literaturgeschmack sind, bestätigt schließlich Alain Claude Sulzer: “Wenn musikalisch, dann der Klang eines Schlafliedes. […] Man kann damit auch Preise bekommen, das ist jetzt schrecklich subjektiv, aber mich geht das nichts an.”

Literatur ist auf den Hund gekommen

Die Kritiker der Kritiker, die sich im Presseraum und auf der kleinen Bühne im Vorgarten tummeln, wünschen sich dagegen mehr Humor.

Zentrum der Kritiker-Kritiker

Zentrum der Kritiker-Kritiker

Dabei konnte es durchaus lustig werden – ob immer freiwillig, das liegt im Auge des Betrachters.  Manchmal musste sich “der Leser [oder eben der Kritiker, DM] als Trüffelschwein” betätigen, was Meike Feßmann allerdings als “eine echte Nötigung” empfand. In den Texten war jedoch nicht so sehr von Schweinen, als vielmehr von Hunden die Rede, und ob sie wirklich Trüffel fanden, nun ja, auch das bleibt offen.

Jury: Feßmann, Sulzer, Fleischanderl, Spinnen

Jury: Feßmann, Sulzer, Fleischanderl, Spinnen

Claude Alain Sulzer stellte jedenfalls folgende neue Schreibregel auf, die zukünftige Jahrgänge unbedingt beachten sollten:  “Nur ein Hund pro Text.” Auch Paul Jandl waren es scheinbar zuviele Hunde, denn “Gerade die überfahrenen Hunde haben mir besonders gut gefallen.” Meike Feßmann dazu: “Ich möchte auch nicht weiter auf den Hunden rumreiten, bzw. nur auf einem.”

Des Pudels Kern war für Jandl dann aber doch: “Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie in dieser sauberen, adretten Atmosphäre jemand schwanger werden kann”, was  Moderatorin Clarissa  Stadler noch anfügen ließ, dass dieser Text “sowas von veröffentlicht” wäre. Ob das nun mit der Schwangerschaft oder den Hunden zu tun hatte, wir wissen es nicht.

Insgesamt kam die Jury ihrer Arbeit also nach und – kritisierte. Eine lobende Ohrfeige teilte beispielsweise Iljoma Mangold aus: “In der Kunst der Leichtigkeit gewinnt dieser Text einen der vorderen Plätze”, während Paul Jandl herausfand, dass “Heimwerkerei nichts anderes als fehlgeleitete männliche Zärtlichkeit” ist. Vielleicht ist das ja manchmal auch mit dem Kritik üben so. Wir schließen uns jedenfalls Alain Claude Sulzer an, der meinte, er wäre diesem heimwerkenden Mann bereits begegnet.

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