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Verlagsgründung / Lieblingsverlage 2: Voland&Quist

June 15th, 2009 by Dorothea

Voland & Quist: Sebastian und Verena mit Jochen Schmidt liest Proust

Voland & Quist: Sebastian und Verena mit Jochen Schmidt liest Proust

Gestern haben wir auf dem  Literaturfest am Kollwitzplatz Sebastian und Verena von Voland&Quist kennengelernt, und sie haben uns Verlagsstartern ganz viele Fragen rund um die Gründung beantwortet.

Voland & Quist

Voland und Quist, das sind Sebastian und Leif (inwieweit das sprichwörtlich zu verstehen ist, mag ich nicht zu beurteilen 😉 und seit diesem Jahr auch Azubi Verena. Angefangen hat alles mit Sprechbühnenliteratur (wie zum Beispiel den Surfpoeten, die jeden Mittwoch um 21 Uhr im Klub der Republik auftreten), deswegen haben sie zum Beispiel auch CDs oder DVDs mit in die Bücher gepackt und als Christine Koschmieder ihnen das erste Buch von Edo Popovic anbot, schlugen sie zu und haben nun auch kroatische Literatur im Programm. Planen lässt sich also viel, anders wirds dann doch irgendwie, oder, ums jetzt mal ganz à la Businessplan-Wettbewerb auszudrücken: ‘unternehmerisches Denken zeichnet sich durch das Wahrnehmen und Ergreifen von Chancen aus’. VQ wächst also stetig weiter, ein Büro in Leipzig gibts jetzt auch, Mitglied im Börsenverein sind sie jetzt auch und Sebastian konnte sogar seinen Nebenjob bei Spreadshirt (das schicke T-Shirt auf dem Foto ist von lafraise. Das schicke Buch in Sebastians Händen ist einer ihrer größten Erfolge bislang: “Schmidt liest Proust” von Jochen Schmidt.) beenden, um sich jetzt voll und ganz auf VQ konzentrieren. Wir wollten wissen, wie mans anstellen muss, dass das so ist und bleibt.

Allgemeines Knowhow

Beide Verleger haben in Leipzig rund ums Buch studiert (war das an der HTWK?), sie sind also “vom Fach” und haben dafür eine Menge BWL mitbekommen. Das ist nicht zu unterschätzen, denn sie machen zu jedem Buch eine Vorkalkulation und entscheiden dann, ob es noch ein Extra mehr sein darf oder ob man aus Kostengründen vielleicht darauf verzichten sollte. Nicht zu vergessen die Liquiditätsplanung, die man auch immer im Auge behalten sollte – Excel machts möglich.

Von Anfang an haben sie sich eine Auslieferung gesucht, die auch gewährleistet, dass VQ bei einer Barkommission mit im Sortiment ist und damit auch bei Amazon gelistet – die Lieferbarkeit in 24h scheint also tatsächlich unabdingbar. Bei Auslieferungen ist es wichtig, wie sie abrechnen (wer trägt das Risiko) und welche anderen Verlage sie noch im Sortiment haben – Buchhandlungen bestellen lieber mal das Buch eines kleineren Verlages mit, wenn sie ein Paket an anderen Büchern ordern (auch, ob sie Rechnungen zusammenfassen können und nicht jedes Buch einzeln abgerechnet werden muss und deswegen den bürokratischen Aufwand erhöht, ist ein Faktor in dem Zusammenhang).

Das liebe Geld

Auch 2004 war es nicht so einfach für eine Verlagsgründung, Kredite zu bekommen. Sebastian und Leif haben daher auf Eigenkapital und von Freunden Geliehenes gesetzt. Außerdem haben sie sich vorher schlau gemacht und beim Europäischen Sozialfonds Förderung beantragt und auch bekommen. Tricky hierbei: man muss vorher sehr genau recherchieren, welche Förderungen für einen in Frage kommen, und wann man die Förderanträge einreicht. Der angesprochene ESF ist beispielsweise nur vor Gründung relevant.

Buchtipps für Verlagsgründer

Der Bramann-Verlag liefert Standards für alle, die im Verlagswesen arbeiten, sei das nun Rechnungswesen für Verlage, PR, Online-Marketing oder auch wie gründe ich eine Buchhandlung.

Mehr zu Voland&Quist gibts bei

Facebook, Twitter und natürlich auf dem Verlagsblog. Gerade ist auch das Herbstprogramm rausgekommen und kann runtergeladen werden.

…und zum Schluss:

Die vergessene Frage: warum eine GbR? Wie habt ihr euch abgesichert? und natürlich: Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Schlagworte:   · · · · 11 Kommentare

11 Kommentare bislang ↓

  • Ihr seid ja fix :). Zur vergessenen Frage: Bei der GbR ist der Gründungsaufwand gering und die Buchführung einfacher. Außerdem brauchten wir kein Mindestkapital wie bei der GmbH. Wir haben aber einen Gesellschaftervertrag miteinander geschlossen.

    Zur Absicherung? Wir haften schlussendlich mit unseren Privatvermögen, haben aber eine umfassende Haftpftlichtversicherung für die Firma abgeschlossen.

    Viele Grüße!

  • Der Studiengang an der HTWK Leipzig heißt Buchhandel/Verlagswirtschaft. Den habe ich auch absolviert.

    http://www.fbm.htwk-leipzig.de/index.php?id=18

  • Ach super, dankeschön – hab nur auf die Überblicksseite geguckt und war mir dann nicht mehr sicher, welcher Studiengang es genau war.

  • @sebastian: Mutig! Oder ist die Versicherung so gut, dass sie auch eventuelle Urheberrechtsstreitigkeiten usw. abbügelt? Wir haben da einfach in letzter Zeit so einige Horrorgeschichten mitbekommen und unser erstes Buch muss da auch beispielsweise genau gegengecheckt werden. Heute gehts zum ersten Mal zum Urheberrechtsanwalt und Versicherungsberatung ist einer unserer nächsten Schritte. Wobei wir tatsächlich eine Geschäftsform anstreben, bei der man nicht automatisch mit Privatvermögen haftet. Gegen die GmbH sprechen für uns auch die erstmal hohen Kosten. Wenns nämlich doch ein Bankkredit sein muss, muss man in den meisten Fällen eine Durchgriffshaftung unterzeichnen, mit der sich die Bank absichert im Konkursfall doch Privatgeld von Gründern zu bekommen – bringt also eh nichts. Mal gucken, was potentielle Investoren von unserem adaptieren Genossenschaftsmodell halten werden… Bis hoffentlich bald mal wieder!

  • Urheberrechts- oder auch Personlichkeitsrechtsverletzungen o.ä. sind bei unserer Versicherung nicht abgedeckt, ich glaube auch nicht, dass so etwas möglich ist. Man muss einfach ein Bewusstsein für solche Probleme entwickeln und sich notfalls frühzeitig Rechtsberatung holen.

  • […] Kennengelernt habe ich die beiden netten Verlagsstarterinnen, der Kontakt kam übrigens erstmals via Twitter zustande. Hier ihr Portrait von Voland & Quist. […]

  • Es gibt doch jetzt die Unternehmergesellschaft. Die ist wie die GmbH haftungsbeschränkt aber es muss kein hohes Stammkapital aufgebracht werden (das wird erst im Laufe der Zeit aus den Gewinnen der Gesellschaft generiert).

    Grüße
    Patrick

  • @Patrick: das Problem bei der UG haftungsbeschränkt ist aber, dass Banken auch hier bei Kreditvergabe im Normalfall Durchgriffshaftung unterschreiben lassen (also Haftung mit Privatvermögen) und dass man, ist das Grundkapital zu niedrig, die ganze Zeit die Liquidität im Auge behalten muss. Dann lieber gleich GmbH eintragen lassen – Eintragung ins Handelsregister klappt schon mit 12.500€

  • Mit diesem Thema trefft ihr genau den Punkt

  • Tolle Sache. Gratuliere. Hier wird genau der Nerv der Zeit getroffen.

  • […] Kennengelernt habe ich die beiden netten Verlagsstarterinnen, der Kontakt kam übrigens erstmals via Twitter zustande. Hier ihr Portrait von Voland & Quist. […]