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Lesen in Zeiten von Ebooks und Google Book Search

July 25th, 2010 by Dorothea

Über Bewegte Lettern bin ich auf einen Artikel von Adam Hodgkin bei Exact Editions gestoßen: In Praise of Not-Reading.

Klingt für mich erstmal absurd, macht auf den zweiten Blick aber natürlich Sinn: gerade in Zeiten von Google Book Search und der fortschreitenden Digitalisierung von Büchern als EBooks, stehen jedem noch mehr Bücher, Artikel, Zeitungen usw. zur Verfügung als bislang, die Frage, was man nicht liest, wird immer wichtiger.

Hodgkins These dazu lautet allerdings:

Books are now not really for reading — or to be more accurate — they are only occasionally, under the most special circumstances, for reading.

Hodgkin scheint es vor allem darum zu gehen, dass das sogenannte “long-form reading” also wirklich Wort für Wort, Seite für Seite lesen, als Modell für digitale Bücher, ausgedient habe. (Reading in an age of change setzt sich damit auseinander und hat alle nötigen weiterführenden Links). Er meint, die eigene Leseerfahrung von beispielsweise Jane Austen oder Babar, werde immer weniger und sei aufs digitale Medium nicht zu übertragen. Ich glaube, das ist auch der Punkt, weshalb ich mich mit seinem Artikel so unwohl fühle. Beim Lesen von Austen oder Babar, um bei seinen Beispielen zu bleiben, geht es doch zuerst darum, “im Buch zu versinken” – es geht nicht um das wilde Sammeln von Informationen, sondern um  das “in eine andere Welt versetzt werden” durch eine Geschichte. Für mich macht es dabei wenig Unterschied, ob ich das über das gedruckte Buch oder über eine digitale Variante erreiche.

Will ich eine Geschichte analysieren, sieht die Sache schon wieder anders aus. Dann sind all die Möglichkeiten, die mir digital zur Verfügung stehen, extrem hilfreich: vom Zitate suchen, Stellen anstreichen und merken, sich vorlesen lassen, bis hin zu weiterführenden Links zu Sekundärliteratur und Besprechungen oder eingebettetenVideos im Buch – dient alles der vereinfachten Informationsbeschaffung. Für diese Art des Lesens wird es bestimmt wichtig, dass digitale Bücher vernetzt sind:

Digital books need to be as versatile and as ‘real’ as physical books in all these ways, even though they are now becoming entirely virtual and insubstantial. The big challenge that Google, Apple and Amazon have yet to project is that books themselves are becoming networked. And the Google, Apple and Amazon models of network usage will inevitably fail if they are not truly book-centric.

An der ursprünglichen Lesefreude eines (Geschichten-) Buchs, die sich vom Flow, der sich im Netz beim scheinbar ziellosen und abgelenkten Durchklicken einstellen kann, vielleicht gar nicht so sehr unterscheidet, ändert sich dadurch nichts. Aber vielleicht habe ich ihn ja auch nur falsch verstanden?

Schlagworte:   · · 3 Kommentare

3 Kommentare bislang ↓

  • Ich glaube, das gute alte Buch wird gerade deshalb Bestand haben, weil sich keine Hyperlinks und andere Vernetzungsmöglichkeiten einbinden lassen. Es zählt nur dieser eine Text, auf den man sich voll und ganz einlässt.

    Möglicherweise werden wir in Zukunft weniger gedruckte Bücher lesen, diese aber mit dem gleichen Genuss und der gleichen notwendigen Muße wie heute.

  • Sehr spannend finde ich dazu ein Interview, das Ijoma Mangold für die ZEIT mit dem Medienforscher Heinz Bonfadelli geführt hat: 35% Viellleser stehen 25% Nichtlesern gegenüber. Allerdings werden wohl immer mehr Sachbücher gelesen – was wahrscheinlich fürs Ebook spricht- und weniger Romane.

  • und hier noch der Link zum ZEIT-Artikel … http://www.zeit.de/2010/30/Bonfadelli